Flüchtlingsarbeit im CVJM Dreis-Tiefenbach

Begegnungsabend für Flüchtlinge und Einheimische

Seit März 2015 bietet der CVJM Dreis-Tiefenbach einen offenen Begegnungsabend für Flüchtlinge und Einheimische in seinen Räumlichkeiten an. Mittlerweile ist aus dem Team eine feste Gruppe innerhalb des CVJM Dreis-Tiefenbach geworden.

Beweggründe für unser Engagement

Schon Ende des Jahres 2014 war langsam absehbar, dass die Zahl derer, die in Deutschland Schutz und ein Leben in Frieden und eine sichere Zukunft suchen, auch in Netphen und Dreis-Tiefenbach zunehmen würde. Das ging an uns nicht völlig vorüber; ganz vereinzelt kam der eine oder andere Neuankömmling zu den Veranstaltungen im Vereinshaus, auch zum Männersport.

Anfang des Jahres haben die Dreis-Tiefenbacher Vereine dann gemeinsam einen Tag der Begegnung in der Dreisbach-Halle veranstaltet. Bei den Gesprächen mit den Betroffenen hat sich herauskristallisiert, dass es neben allen Problemen, die Flucht und Migration in ein fremdes Land mit sich bringen, auch Langeweile ein Problem ist. Bis zur Anerkennung eines Aufenthaltstitels, ist es den Neuankömmlingen nicht gestattet, eine Arbeit aufzunehmen oder einer Ausbildung nachzugehen. Auch wurden keine staatlich geförderten Sprach- und Integrationskurse angeboten. Die Zeit bis zur Erlangung eines solchen Aufenthaltstitels kann aber 6 Monate bis über ein Jahr in Anspruch nehmen, erst nach 15 Monaten darf eine Arbeit aufgenommen werden. Man kann sich also vorstellen, dass dieses Verdammtsein zum Nichtstun ein mächtiges Problem darstellt, dass schnell in Lagerkoller, Depression und Suchtprobleme umschlagen kann.

Und hier versuchen wir seit März 2015 anzusetzen: Wir haben im Vereinshaus die Infrastruktur, ein kleines Freizeitprogramm anzubieten. Darum haben wir dazu eingeladen, dienstags um 19:30 Uhr zum Darts-, Billard-, Kicker und Tischtennisspielen zu uns ins Vereinshaus zu kommen, zu reden, zu fragen und einfach uns Einheimische kennenzulernen. Der letzte Punkt ist uns besonders wichtig.

Einige der älteren erinnern sich vielleicht noch selbst daran oder kennen es von Erzählungen ihrer Eltern oder Bekannten, wie es ist, plötzlich aus der gewohnten Umgebung gerissen zu werden und woanders ein neues Leben anfangen zu müssen. Und damals war die Sprachbarriere nicht so hoch wie es die erleben, die heute kommen.

Viele Leute bei uns blicken mit Sorge in die Zukunft und fragen sich, wer da so zahlreich zu uns kommt und wie sich unser Land dadurch verändern wird. Es gibt in den Medien und der Bevölkerung die unterschiedlichsten Meinungen zum Umgang mit dieser Problematik. Egal wie man dazu stehen mag, wir im CVJM Dreis-Tiefenbach sind uns einig, dass die Antwort auf diese Frage nicht in Zäunen besteht, nicht in Internierungslagern, nicht im Wegsehen und nicht im Nichtstun. Als Christen sind wir in der Pflicht, denen, die zu uns kommen und nichts haben, zu helfen. Es ist uns dabei einerlei woher jemand kommt, welcher Religion er angehört oder welchem Kulturkreis und ob er nach aktueller oder zukünftiger Gesetzeslage bleiben darf oder nicht. Das müssen wir zum Glück nicht entscheiden und bei unserem Anliegen zu helfen, ist das für uns auch nicht von Belang.

Wir glauben, dass Vorurteile und Stereotypendenken, die jeder von uns in irgendeiner Form hat, nur dann abgebaut werden können, Sorgen nur dann zerstreut werden können, wenn man einander kennenlernt. Wir in Dreis-Tiefenbach können einen kleinen Teil im Rahmen unserer Möglichkeiten dazu beitragen; mit Sicherheit ist das ein Tropfen auf den heißen Stein, aber ein Ozean besteht letztendlich auch nur aus vielen Tropfen.

Kontaktperson

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Martin Heilmann
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